Das District Six



Noch immer liegt das Gebiet District Six östlich der Kapstädter Innenstadt brach. Einst war dies ein lebendiges Stadtviertel mit vielen kleinen Geschäften, in denen Händler ihre Waren anboten. Von 1867 lebten hier Inder, Moslems, Juden, farbige und weiße Südafrikaner in gegenseitiger Toleranz friedlich nebeneinander. Fast alle Einwohner waren ehemalige befreite Sklaven. Aber die Menschen waren arm, hatten keine Möglichkeit ihre Häuser zu renovieren und somit verrotteten viele prachtvolle Häuser.
Diesen Zustand nutzten weiße Politiker und machten den Stadtteil “District Six” dem Erdboden gleich. Am 11. Februar 1966 wurde damit angefangen Häuser zu zerstören und die dort lebenden Menschen zu vertreiben.
Der "Group Area Act" aus dem Jahr 1958 besagte, dass jede Rasse einen eigenen Bezirk bewohnen sollte und man versuchte, die verschiedenen Rassen in Kapstadt voneinander zu trennen. Die farbige Bevölkerungsgruppe in District Six unterteilte sich in Kap-Farbige, Inder und Kap-Malaien.
Zur Räumung dieses Gebiets wurden anfangs zwei Jahre eingeplant, jedoch brauchte man ganze sechszehn Jahre für den Abriss. Ca. 60.000 Bewohner von District Six wurden zwangsweise umgesiedelt und ein ganzer Stadtteil mit vielen historischen Häusern verschwand. Bis auf eine Mosche, eine Kirche, das heutige Museum und ein jüdischer Buchladen verschwanden fast alle Häuser. Mit dem Bauschutt wurde das neue Hafenbecken aufgeschüttet. Und damit der Stadtteil und seine Geschichte in Vergessenheit gerät, wurde der Bezirk in Zonnebloem (Sonnenblume) umbenannt. Doch nur wenige Bürger verwendeten den neuen Namen.
Der Buchladen in District Six besteht noch heute und wird mittlerweile in dritter Generation geführt. Es werden hebräische Bücher und Artikel für die jüdische Gemeinde Kapstadts gehandelt.
Nach Ende der Apartheid war sich jeder Bürger bewusst, welches Unrecht den Bewohnern von District Six zugefügt worden war. Seit 1989 hat kein Investor es gewagt, diesen Bezirk in seinen Planungen einzubeziehen. Zuviel Blutgeld wurde gezahlt, so dass seit dem letzten Abriss eines Hauses in District Six eine Einöde inmitten der Stadt entstand. Neu entstand lediglich das Cape Technikon, welches zu Apartheidzeiten nur weißen Studenten zugänglich war.
Die Historie dieses Stadtviertels ist im District Six Museum ausgestellt. Es befindet sich zentral gelegen in der Buitenkant nahe dem Zentralbahnhof und der Polizeihauptwache. In früheren Jahren war hier die Methodist Church untergebracht. Heute ist das Museum jedem Bürger der Stadt zugänglich und Treffpunkt alter Nachbarn aus dem District Six.
Das Schicksal der ehemals im District Six lebenden Einwohner ist ein wichtiger Bestandteil der Geschichte Kapstadts. Im Museum finden Sie den alten Stadtplan mit vielen Straßenschildern. Ein ehemaliges Wohnzimmer wird zur Schau gestellt und damalige Gebrauchsgegenstände eingemauert, die nur zum Teil sichtbar sind. Hier treffen Sie auch eine Zeitzeugin - Monisha Collins. Sie lebte 1954 in den Bloemhof Flats und bewirtschaftet heute das kleine Museumscafe. Kleine und große Geschichten aus dem District Six können Sie von Ihr erfahren.
Heute existieren Pläne, District Six wieder zu urbanisieren und den alten Besitzern die Grundstücke zu überschreiben.
Holy Cross Church
In der Holy Cross Church befindet sich ein Wandgemälde von Peggy Delport mit dem Titel: ''The Earth Cries out''. Sinngemäß etwa: ''Die Erde weint''. In der Mitte sehen Sie die Familie Hendrick - die letzte, die aus District Six vertrieben wurde.
Hinter dem Cape Technikon befindet sich die Kirche Moravin Chapel.












