Die San - die Buschmänner Südafrikas

Die San (auch: Buschmänner, Buschmenschen, Buschleute, Basarwa) sind die eigentlichen Ureinwohner des südlichen Afrikas. Forschungen haben ergeben, dass der Ursprung des Homo Sapiens in Südafrika liegt. Anthropologen betrachten die San als ursprünglichste Daseinsform des Menschen. Allerdings gehen die Angaben über die erste Besiedlung des südlichen Afrikas durch die San weit auseinander. Es wird vermutet, dass sie bereits vor etwa 10.000 bis 25.000 Jahren hier gelebt haben. Laut Wissenschaftlern sind sie die älteste, noch lebende Spezies des Homo Sapiens.
Die Geschichte der San ist von Vertreibung und Verdrängung geprägt. Da dieses Volk an abgeschiedenen Orten lebte, war nur sehr wenig über ihre Lebensweise bekannt. Diese geriet mit der Kolonialisierung des südlichen Afrikas, aber auch in den neuen unabhängigen Staaten zusehends unter Druck. Im 18. und 19. Jahrhundert durften die San legal gejagt und getötet werden wie Tiere. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren die San nahezu vom Aussterben bedroht, wieder passte ihre Lebensweise nicht in das Konzept der immer weiter vordringenden und landfordernden weißen Siedler. Die überlebenden San flohen in die Kalahari. In der Kalahari wurden viele der San von Europäern auf den Farmen versklavt.
Mit der Ankunft der Khoikhoi in Südafrika wurden die San erstmals durch eine Volksgruppe Afrikas verdrängt. Der Stamm der Khoikhoi besteht aus Hirten. Sie konnten mit Kupfer umgehen und hatten eine besondere Kriegstechnik. Im Gegensatz zu den sehr friedlichen San waren sie aggressiv eingestellt. Die friedliche Art der San machte sie zu leichten Gegner für die besitzergreifenden Europäern und die einströmenden schwarzen Stämme Zentralafrikas. So wurden die San von fast allen Orten Südafrikas vertrieben und fanden nur im Landesinneren der Kalahari eine Zufluchtsstätte.
Noch heute finden Sie Verwandte der damaligen San hier wieder. Denn dank aufkeimenden Interesses an ihrer Kultur überlebte ihr Volk und ihre Lebensweise. Heute ist ihr Kulturkreis als eigenständig und als letzter aller Volksgruppen Afrikas anerkannt.
Erscheinungsbild und Sprache
Die San sind zierlich gebaut und erreichen meist nur eine Körpergröße von ca. 110 bis 160 cm. Ihre Hautfarbe ist im Gegensatz zu anderen Völkern der Region heller. Da ihre Wangeknochen weit hervor stehen nahm man zuerst an sie seien asiatischen Ursprungs und ins Land eingewandert. Ihr Körperbau ist sehnig und muskulös und für das Leben in der Kalahari ausgelegt.
Die Klicksprache der San ist eine eigenständige Sprache und besteht aus Klick- und Schnaltzlauten. Einzelne Töne wurden direkt aus der Natur übernommen. Somit hat ihre Sprache einige Besonderheiten, die für Außenstehende gar nicht als Bestandteil des Gesprochenen gehalten werden. Die geschnalzten, klickenden und geschmatzten Laute kommen noch in einigen anderen Sprachen Afrikas vor. Die heutigen Bantu-, Xhosa- und Zulusprachen haben einige dieser Laute in ihre Sprache übernommen.
Aufgrund der großen räumlichen Entfernung der jeweiligen Völker sehen Forscher dies als Hinweis, dass die Klicksprache möglicherweise die Urform der menschlichen Sprache gewesen sein könnte. Die Komplexität dieser Sprachen sei so hoch, dass laut Sprachwissenschaftlern eine getrennte Entstehung unwahrscheinlich ist. Auch ist nach Ansicht eines amerikanischen Linguisten sei kein Prozess bekannt, bei dem sich ein Nicht-Schnalzlaut im Laufe der Zeit in einen Schnalzlaut verwandelt hat, während die umgekehrte Entwicklung dagegen durchaus schon beobachtet wurde. Daher müssen Sprachen, die noch heute derart viele Klicklaute enthalten, bereits sehr alt sein.
Die soziale Organisation
Die San zählen zu den egalitären Gesellschaften. Eine formale Rechtsprechung wird in der Gemeinschaft der San nicht ausgeübt. Verstöße gegen moralischen Grundsätze werden maximal mit dem Ausschluss aus der Gemeinschaft geahndet, was in der Wertigkeit der San einem Todesurteil gleichkommt. Sie organisieren sich ohne ein übergeordnetes politisches Führungssystem. Die San gelten als friedvolles Volk welches mit der Natur im Einklang und in der Regel in kleinen Gruppen von 10 bis 35 Mitgliedern lebt. Die nomadischen Kleingruppen setzen sich neben verwandtschaftlichen Beziehungen flexibel zusammen.
Die San leben seit Jahrtausenden als Jäger und Sammler und entwickelten eine einzigartige Kultur und Sprache. Entscheidungen zur Jagd oder einem Ortswechsel werden gemeinsam getroffen. Dabei haben individuelle Erfahrungen, Kenntnisse und Überzeugungskraft Einfluss auf die Entscheidungsfindung. Die San leben nach der Philosophie: Nimm von der Natur nur soviel wie du zum Leben brauchst. Falls eine Sippe genügend Beute gemacht hatte wurde das Fleisch mit einer anderen Sippe geteilt. Somit entstanden auch Freundschaften und die Gruppen vergrößerten sich. Hierdurch werden nicht nur menschliche Beziehungen gestärkt, sondern hat auch den Effekt einer Art Versicherung. Keiner muss hungern solange andere Essen im Überfluss haben.
Spezialisierte Berufe sind in der Sankultur nicht bekannt, allerdings findet eine Arbeitsteilung unter Frauen und Männern statt. In vielen Naturvölkern mit derartiger Arbeitsteilung wird das kulturelle Wissen oft geschlechterspezifisch weitergegeben. Das für Männer relevante Wissen wird von den Vätern an die Söhne weitergegeben, das für Frauen an die Töchter. Interessanterweise kommen diese geschlechterspezifischen Familienstrukturen bei den San nicht vor.
Die San übernachteten damals an wechselnden Plätzen in der freien Natur. Ihre Unterkunft besteht aus zusammengesteckten Zweigen die mit Geäst und Gras gestopft oder geflochten werden. Dies dient alleinig dem Schutz vor Wind und Regen. Die Schlafstätte verfügt über eine Feuerstelle. Feste Behausungen werden aufgrund der Wanderschaft nicht gebraucht. Bei entsprechender Gelegenheit übernachten sie auch in Höhlen oder Felsvorsprüngen.
Jagd und Nahrungserwerb
Die männlichen San gehen auf die Jagd und sind für die Wasserbesorgung zuständig. San sind dafür bekannt geschickte Jäger zu sein und mit Pfeil und Bogen ausgezeichnet umgehen können. Das gefundene Wasser wird in leeren Straußeneiern transportiert und zur Kühlung in der Erde vergraben. Wurde eine großes Wildtier erlegt wird es zu 100% verzehrt um einen Fettvorrat im Körper anzulegen. Die Frauen tragen durch das Sammeln von Wurzeln, Beeren, Nüssen und das gelegentliche Erlegen von Kleintieren wie Hasen, den größten Teil zur Ernährung bei. Zum Speiseplan der San gehören auch Heuschrecken, Würmer, Schlangen, Eidechsen und andere kleine Tiere. Durch die ausgeprägte Pflanzenkunde haben die San sehr genaue Kenntnisse über Heil- und Esspflanzen.
Die Jahreszeiten und die Bewegung der Heerden beeinflussen die Wanderung der San. Ziehen die Tierherden weiter, wandern sie mit ihnen. Die San lebten von der Jagd und sind keine Hirten wie die oft mit ihnen verwechselten Khoikhoi. Man geht davon aus, dass die San im Frühling und Sommer ausreichend Nahrung in den Bergen fanden. In den Wintermonaten zogen sie zur Küste, wo sie sich von Fischen, Langusten, Krebsen, Seevögeln, Vogeleiern, Muscheln und Robben ernähren konnten.
Um Feuer zu machen zerkleinern die San Strausseneier und schleifen mit Steinwerkzeugen runde Plättchen. Ein Holzstab wird so lange in dem Plättchen gedreht, bis sich die Eierschale soweit erhitzt, dass Stroh oder feines Holz zu brennen beginnt.
Die San sind hervorragende Spurenleser und lesen aus den Spuren der Tiere wie in einem Buch. Sie wissen genau, welches Tier sie verfolgen und ob es jung, alt oder verletzt ist. Jedem Tier, dass sie erlegt haben und von dem sie sich ernähren, sind sie sehr dankbar und entschuldigen sich bei ihm und der Natur dafür, dass es sterben musste.
Ihre Waffen bei der Nahrungsbeschaffung sind Pfeil und Bogen, wofür sie eine spezielle Methodik entwickelt haben. Die San benutzen eine tödliche Käferlarve zum Tränken der Spitzen. Dieses Gift fungiert als Lähmungsgift, das in der Regel ohne gesundheitliche Auswirkungen mit der zubereiteten Nahrung aufgenommen werden kann.Von den San in der Umgebung Kapstadts ist bekannt, dass sie auch Pflanzen- und Schlangengifte für Ihre Pfeile benutzten. Kleinwild wie Steinböcke, Stachelschweine, Duicker oder Springhasen sind eine leichte Beute. Als Behälter für die Pfeile benutzen die San die ausgehöhlten Äste des Köcherbaums. Diese dicken und leichten Äste dienten auch als Behälter für andere Gegenstände wie z.B. Lebensmittel.
Der weit verbreitete Marula-Baum im Süden Afrikas spielt beim Jagderfolg der San eine entscheidende Rolle. Der Marula-Baum dient nicht nur durch seine mirabellengroßen goldgelben Früchte als Nahrungsquelle. Die in der Baumrinde lebenden Käferpuppen werden auch traditionsgenäß zum Anfertigen giftiger Pfeilspitzen benutzt.
Diese Käferart finden die San nicht nur in Marula-Bäumen sondern auch bei verschiedenen Blumenarten, wie der Pelargonie. Die Kokons der Larven befinden sich ungefähr einen halben bis einen Meter unter der Erde. Die San graben die Larven aus und tragen das Gift auf ihre Pfeile auf. Nachdem sie ein Tier mit dem Giftpfeil angeschossen haben, verfolgen die Jäger die Spur bis das Gift seine Wirkung entfaltet. Dies kann innerhalb einiger Stunden passieren, es kann aber auch in Abhängigkeit der Größe ihrer Beute vier oder fünf Tage dauern. Dabei kann ein verletztes Tier noch eine Strecke von bis 100 km überwinden.
Die San haben dabei verschiedene Möglichkeiten entwickelt, das Gift auf die Pfeile aufzutragen: Der "Inhalt" der Larve wird direkt auf den Pfeil gedrückt und über einer Feuerstelle getrocknet. Oder sie mischen den Käfer mit der Larve und bringen diese Mischung auf die Pfeilspitze. Dabei dient der innere Saft des Käfers als Klebstoff. Eine weitere Möglichkeit: die Larve wird in der Sonne getrocknet und anschließend gestampft, bis ein Pulver entsteht was anschließend auf die Pfeilspitze aufgebracht wird.
Eine weitere Pflanze, die zur Jagd genutzt wird, ist der Milchbusch. Diese Giftpflanze wächst als Strauch oder kleiner Baum, der bis zu fünf Meter hoch werden kann. Alle Teile der Pflanze sind hochgiftig. Der Saft der Pflanze - eine milchige Flüssigkeit - wirkt ätzend und lähmend. Selbst die Berührung oder nur der Kontakt der Pflanzenmilch mit der menschlichen Haut kann schwere gesundheitliche Folgen haben. Die Buschmänner benutzen den Saft aber nicht nur für den Beutefang, sondern auch als Medizin. Sie beherrschen den richtigen Umgang mit dieser außergewöhnlichen Pflanze und kennen die genaue Dosierung für Zwecke der Jagd oder der Heilung. Hauptsächlich wird die Pflanze für den Verschluss von Wunden genutzt.
Zusätzliche Methoden der Jagd sind das Aufstellen von Tierfallen mit Schlingen.
Jagdbeute wurde grundsätzlich gemeinschaftlich geteilt, bei Bedarf auch pflanzliche Lebensmittel. Es wird kein Handel betrieben, Güter wie Speere, Straußeneier, Lederwaren wurden in Form von Geschenken intern oder extern bei Besuchen und Begegnungen mit anderen Gruppen geteilt und ausgetauscht.
Glaube und Religion
Die San haben eine animistische Religion, eine schriftlose Religion, die in ihrer Reinform ausschließlich bei Jäger und Sammler Kulturen verbreitet ist. Die San nehmen an, dass in der Natur alles belebt ist, alle Erscheinungen in der Natur und der Gesellschaft werden personifiziert und besitzen eine Seele. Der Begriff des „Göttlichen“ ist ihnen fremd. „Heilig“ ist allein die Natur selbst in all ihren Ausprägungen. Die San glauben daran, dass in jedem Stein, jeder Pflanze, jedem Tier und jedem Menschen, sogar in jedem Ort die Lebenskraft einen eigenen Willen entwickelt der natürlichen Regeln folgt.
Vor einer Jagd wird ein Orakel aus Tonstücken befragt, krankmachende Geister werden durch Tänze bis zur Trance vertrieben. Jedes Mitglied der Gruppe kann, wenn es zusätzliche spirituelle Fähigkeiten aufweist, Geistheiler oder -heilerin sein. Meist sind es aber die älteren Frauen der Gemeinschaft.
Da die San sehr gut die Wirkungen verschiedener Pflanzen in ihrer natürlichen Umgebung kennen, kommen auch pflanzliche Heilmittel zum Einsatz. Sie können mehrere hundert Pflanzenarten unterscheiden und sie in Heil-, Ess- oder Giftpflanzen einteilen.
Ihre Sagen und Geschichten handeln oft von Tieren und besonders vom Heseb-Stier, nach ihrem Glauben dem größten Tier auf Erden. Eine ihrer Geschichten besagt, dass der erste San von drei weiblichen Hesebtieren großgezogen wurde. Eine weitverbreitete Sage der San ist die der Sonne auf der Erde. Sie erzählen sich, das vor Urzeiten die Sonne auf der Erde lebte und in der Gegend des heutigen Südafrika wohnte. Die Kinder der Sonne waren Zikaden und lebten mit ihnen und machten Musik. Wenn aber die Menschen in der Nähe der Sonne kamen, wurden ihre Augen verbrannt. Eines Tages kam Heseb, das älteste und größte Lebewesen der Welt, nahm die Sonne und warf sie in den Himmel, wo sie heute noch steht. Seit dem Tage ist das Leben in Südafrika erträglicher geworden und die brennende Hitze verschwunden.
Die San heute
Waren es vor 2.000 Jahren noch 300.000 bis 400.000 San, so sind es heute nur noch ca. 50.000 im gesamten südlichen Afrika. Die San verteilen sich heute in Botswana (ca. 25.000), Namibia (ca. 15.000) und Angola (ca. 4.000), kleine Gruppen findet man aber auch in Sambia, Zimbabwe und Südafrika.
Die größte Dichte lebt noch heute in der Kalahari. Seit den 70er Jahren haben die meisten San ihre nomadische Lebensart aufgegeben und sind sesshaft geworden. Heute ist ein Großteil auf Farmen als Arbeiter angestellt. Nur wenige San leben heute noch auf traditionelle Art und Weise, u. a. auch, weil ihnen das Land zum Leben immer wieder streitig gemacht wird. Oft werden sie in unwirtliche Steppen- und Bergregionen zurückgedrängt, trotz staatlicher Anerkennung.
Schwangerschaft
Die Frauen der San besitzen spezielle Kenntnisse über natürliche Verhütungsmethoden. In der Tradition ihres Volkes kauen sie eine spezielle Borkenrinde und regulieren somit ihre Schwangerschaften. Um die Geburtenabstände ohne Verhütungsmethoden zu regulieren, legen die San-Frauen eine drei bis vierjährige Stillzeit und eine knappe Ernährung ein. So zögern sie eine erneute Empfängnis um bis zu 4 Jahre hinaus. Die Geburten selbst finden außerhalb der Hüttenansiedlung statt. Erst mit der Rückkehr zu ihren Hütten wird ein Neugeborenes in die Gemeinschaft aufgenommen. Kindstötungen direkt nach der Geburt sind zwar selten, finden aber zum Beispiel wegen einer frühen Geburtenfolge durchaus statt.
Felsmalereien
Dominierend in Felsmalereien sind Darstellungen von Menschen und Tieren. Ein Grund für die Darstellung von Tieren ist die großer Bedeutung der Tiere in der Gemeinschaft der Jäger und Sammler. Ein weiterer Grund der Malerei ist die Darzustellung enger Verbundenheit mit religiösem Glauben und den Sitten.
Wie auch heute noch unter den in der Kalahari lebenden San scheint der Heiltanz in Trance bei den früheren Buschmännern ebenfalls das wichtigste Gruppenritual gewesen zu sein. Während dieser Tänze, begleitet vom rhythmischen Singen und Händeklatschen der Frauen, tanzten einige Männer solang bis sie in Trance fielen. Der San glauben, dass Männer im Trancezustand Zugang zur Geisterwelt finden, die als Hauptquelle von Krankheiten angesehen wird. Sie sind davon überzeugt durch den Kontakt mit den Geistern zu fähigeren Heilern der Kranken werden.
Laut Forschern sollen viele Malereien durch diese halluzinatorischen Erfahrungen des veränderten Bewusstseinszustand im Tanz entstanden sein. Typische Merkmale hierfür sind abnormal verlängerte Gestalten mit nach hinten ausgestreckten Armen.
Die San glauben daran, dass besonders die Elenantilope ähnliche Kräfte besitzt. Dies erklärt, warum es eine große Anzahl an Zeichnungen gibt in denen Elenantilopen zusammen mit Medizinmännern im Trancezustand abgebildet sind.
Die Kunst der Felsmalerei hat daher eine große Bedeutung und ist der Schlüssel zur Vergangenheit und gibt uns Einblicke in das Funktionieren eines fast ausgestorbenen Kultursystems.













