SANGOMAS UND SÜDAFRIKA

Sangoma nennt man in Südafrika traditionelle Heiler/innen, die ihre Patienten durch einen Mix aus Medizin, Kräuter, Ahnenbefragung und Weissagung heilen.

Sangomas spielen in der Kultur der Zulu, Xhosa, Ndebele und Swazi eine außerordentlich wichtige Rolle. Die Menschen suchen sie auf, um von körperlichen Beschwerden geheilt zu werden, aber auch, um sich in persönlichen, psychologischen, glaubenstechnischen und sozialen Angelegenheiten beraten zu lassen. Oder auch um beispielsweise herauszufinden, wohin eine Kuh sich verlaufen hat oder ob der Ehemann fremdgeht. Sangomas kennen die Gruppendynamik ihrer Gemeinde, sowie auch jeden Einzelnen darin sehr gut, und so macht es durchaus Sinn, dass sie diese vermittelnde Rolle einnehmen.

Bei einer Umfrage gaben 84 % der Südafrikaner an, mindestens dreimal im Jahr eine Sangoma zu konsultieren.

Insgesamt praktizieren 200.000 traditionelle Heiler/innen im Land – sieben Mal mehr als die 30.000 Schulmediziner. Südafrikaner aller sozialen Schichten lassen sich von Sangomas beraten. Zum Beispiel holen Zulu-Konzernbosse millionenschwerer Unternehmen bei wichtigen Entscheidungen den Rat ihrer Sangomas ein. Südafrikas Präsident Jacob Zuma ist ebenso ein prominenter Anhänger traditioneller Heilkunde. Interessanterweise glaubt auch ein hoher Prozentsatz weißer Südafrikaner an Sangomas und lässt sich von ihnen beraten, wenn auch nicht annähernd so regelmäßig wie ihre schwarzen Landsmänner.

In manchen Bereichen sind die traditionellen Heiler den Schulmedizinern des Landes sogar gleichgestellt. Sangomas dürfen Patienten krankschreiben und in den Krankenhausabteilungen für traditionelle Heilkunde arbeiten. In keinem anderen Bereich des südafrikanischen Alltags manifestiert sich die Ko-Existenz von Moderne und Tradition, aber auch von afrikanischer und westlicher Weltanschauung so deutlich.

In den südafrikanischen Zeitungen liest man immer wieder solche Geschichten, in denen der westliche Lifestyle und der des Buschs miteinander kollidieren. Im Oktober 2009 gab es zum Beispiel einen Gerichtsstreit zwischen der Radisson-Luxushotelkette und der südafrikanischen Wäschefrau Zolelwa Mpofu. Der Streitfall begann, als sich Zolelwa aufgrund gesundheitlicher Beschwerden für einen Monat krankschreiben ließ, »um dem Ruf ihrer Ahnen zu folgen«. Als sie die Arbeit nach dieser Pause wieder antrat, trug sie um den Kopf, den Hals, die Arme, die Hand- und Fußgelenke lange weiße Perlenketten (charakteristisch für Sangomas in der Lehrlingsphase). Zolelwa erklärte ihrem britischen Personalchef, dass sie die Ketten nicht abnehmen könne, weil dann ihr Leben auf dem Spiel stehe. Der wiederum wies darauf hin, dass ein internationales Luxushotel keine Ausnahme bei seiner Kleiderordnung machen könne, und kündigte schließlich Zolelwa, weil sie sich trotz wiederholter Verwarnungen weigerte, die Ketten unter ihrer Kleidung zu verstecken.

Es entbrannte eine Diskussion darüber, was in dem Fall zu tun sei, weil die südafrikanische Verfassung die Diskriminierung aufgrund des Glaubens – und sei es der Glaube an die Ahnen – verbietet.

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