AFRICAN TIME
Der Spruch »Die Europäer haben die Uhr, die Afrikaner die Zeit« kommt nicht von ungefähr.
African Time ist ein weitaus unpräziseres Zeitkonzept als South African Time und kommt in den verschiedenen Lebensbereichen (privat / geschäftlich) und Regionen (Land / Stadt) Südafrikas unterschiedlich stark zum Tragen. African Time beschreibt eine kulturbedingte und zum Vergleich zu Europa entspanntere Beziehung zu Zeit, die sich insbesondere als Langsamkeit, Unpünktlichkeit und Unzuverlässigkeit bemerkbar macht. Europäer und Afrikaner Zeit haben schlicht und ergreifend eine andere Einstellung zur Zeit.
In der Überzeugung des Europäers existiert die Zeit unabhängig und außerhalb von ihm, als eine objektive Kraft und Größe, die linear verläuft und messbar ist. Der Europäer passt SICH den Regeln der Zeit an. Die Zeit hat IHN in der Hand. Afrikaner dagegen empfinden die Zeit als eine lockere, elastische und subjektive Angelegenheit. Der Mensch bestimmt die Zeit bzw. die Zeit passt sich den Menschen an.
Ein Beispiel: Wenn man in ein afrikanisches Dorf kommt, wo am Nachmittag eine Versammlung stattfinden soll, am Versammlungsort aber weit und breit niemand zu sehen ist, würde man als Deutscher erstaunt und aller Wahrscheinlichkeit nach recht genervt fragen: »Wann wird die Versammlung stattfinden?« Der Afrikaner würde etwas überrascht über die dumme Frage antworten: »Wenn sich die Menschen versammelt haben.«
In den traditionelleren ländlichen Gebieten kommt diese Grundeinstellung mehr zum Tragen als in den westlich geprägten Städten Südafrikas, wo eine wunderbar-entspannte Mischung aus europäischerund afrikanischer Zeitkultur herrscht.
Am besten stellt man sich von vornherein auf die allgemeine Langsamkeit im Land ein. Ob man jetzt sein Touristenvisum verlängern, eine Fotokopie machen, wissen, in welchem Regal der Wein steht, oder bei der Polizei eine Anzeige aufgeben will – das sind für einendeutschen Effizienz-Gewohnten scheinbar ewig andauernde Prozeduren in Südafrika.
Wenn man nicht den gesamten Südafrikaurlaub frustriert zubringen will, ist es schlichtweg unvermeidbar, drei Gänge herunterzuschalten.
Umgekehrt heißt das: Wenn man zu einem Dinner oder Braai eingeladen wird und tatsächlich um Punkt ausgemachte Zeit auf der Matte steht, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass die Gastgeberin noch mit den Lockenwicklern im Haar die Türe öffnet, während sich ihr Mann beschämt an der Tür vorbei schleicht, um schnell noch die Lammkoteletts zu besorgen. Es empfiehlt sich, bei privaten Einladungen 10-15 Minuten später zu kommen. Dagegen empfiehlt sich nicht, verärgert zu reagieren, wenn ihr südafrikanisches Date 20 Minuten zu spät aufkreuzt, wenn Sie sie/ihn nicht gleich verschrecken wollen.
Anders verhält sich das mit Business-Meetings. Da sollte man tatsächlich pünktlich erscheinen. Das gehört zum guten Ton und wird von Deutschen ohnehin erwartet. Die deutsche Pünktlichkeit hat sich sogar bis zur Südspitze Afrikas herumgesprochen.
Buchtipp Südafrika
Zeitunterschied
Der Zeitunterschied zu Deutschland beträgt im deutschen Winter + 1 Stunde.




